Während Europa Mauern baut

17.01.17 | Christina Brun

Während vielerorts in Europa Grenzzäune und Absperrungen gebaut werden, befassen sich jedes Jahr über 2‘000 Jugendliche im Kinderdorf Pestalozzi in einem multikulturellen Umfeld mit Rassismus, Diskriminierung und ihrer eigenen Identität.

© Stiftung Kinderdorf Pestalozzi

Seit vergangener Woche sind 100 Kinder aus Bosnien und Herzegowina sowie Mazedonien im Kinderdorf Pestalozzi. Die Jugendlichen schlüpften gestern im Rahmen eines Workshops in verschiedene Rollen. Die eine Hälfte übernahm die Rolle der Grenzwächter, während die anderen die Flüchtenden spielten. Im Schulzimmer wurde eine Mauer gebaut und jede Seite überlegte sich Geschichten, wieso sie Asyl benötigen oder weshalb sie nun einen negativen Entscheid für eine Einreise geben.
In der anschliessenden Diskussion besprachen die 16- bis 18-Jährigen wie sie sich in der jeweiligen Rolle gefühlt haben. Drei Jugendliche gaben sich als berühmte Band aus Russland aus und dachten, dass ihre Prominenz beim Asyl helfen könnte. Die Grenzwächter ihrerseits hielten mehr Ausschau für die traurigen Schicksale und kümmerten sich nicht um die Band. Für beide Seiten war es ein sehr lehrreiches Rollenspiel.

Sarah, welche Grenzwächterin war, meinte: «Ich fand es extrem schwer zu entscheiden, wer bleiben darf und wer nicht und dann fühlte es sich nur noch an wie Willkür.»

«In dieser Übung geht es um das Gefühl der Machtlosigkeit und des Abhängigsein (Flüchtlinge) und das Gefühl der Macht und Entscheidungshoheit (Grenzwächter)», so Pascal Haltiner, der Leiter des Workshops.

Interkultureller Austausch

Das Kinderdorf ist ein Ort, an dem Kinder im Rahmen von interkulturellen Austauschprojekten wertvolle Erfahrungen sammeln. Im Zentrum steht die direkte Begegnung zwischen Kindern aus der Schweiz und aus Südosteuropa.

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