Jeder Rappen zählt geht in die sechste Runde

16.12.14 | Silvan Thalmann

Vom 17. bis 23. Dezember findet in Luzern die Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» von SRF und der Glückskette statt. In einem eigens dafür eingerichteten Flüchtlingscamp informieren Hilfswerke über das diesjährige Spendenthema «Familien auf der Flucht». Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist in der Zeltstadt vor Ort und macht auf das Bildungsprojekt in Myanmar/Burma aufmerksam.

«Jeder Rappen zählt» sammelt in diesem Jahr für Familien, die sich auf der Flucht befinden. © Glückskette/SRF

In Myanmar/Burma befinden sich zurzeit 100’000 Menschen auf der Flucht. Im Norden liefern sich Rebellen des Kachin State und das Militär erbitterte Kämpfe. In 185 Flüchtlingscamps finden die flüchtenden Menschen den nötigen Schutz vor Tod, Vergewaltigung oder Kindsentführungen. Das Nothilfeprojekt der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi kümmert sich darum, dass über 1300 Kinder aus sechs Flüchtlingslagern nahegelegene Primarschulen besuchen können und damit weniger unter den Folgen des Bürgerkrieges leiden. Zudem sorgt die Stiftung dafür, dass junge Erwachsene als Lehrkräfte rekrutiert werden.

Lokale Schulen unterstützen

Auch wenn Hilfeleistungen zum Überleben selbstverständlich im Zentrum jedes Flüchtlingslagers stehen, ist auch die Schulbildung der Flüchtlingskinder von essentieller Bedeutung. Leider bleibt der Zugang zur Bildung aber oft für längere Zeit unerschlossen. Dies, obwohl gemäss der UN-Kinderrechtskonvention jedes Kind das Recht auf Bildung hat. Deshalb ist es ein Anliegen der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, dass die Kinder beim Besuch von lokalen Schulen unterstützt werden und in Abendstunden Zusatzunterricht erhalten. Dafür arbeitet die Stiftung mit einer lokalen Partnerorganisation zusammen. Im Gegenzug erhalten die Schulen dringend benötigtes Unterrichtsmaterial wie Hefte und Stifte als auch Mobiliar wie Bänke und Pulte. Als ergänzende Massnahmen sorgt  die Stiftung dafür, dass 45 junge Erwachsene zu Lehrerinnen und Lehrern ausgebildet werden, um in den Camps selbst unterrichten zu können.

«In 185 Flüchtlingscamps finden die flüchtenden Menschen den nötigen Schutz vor Tod, Vergewaltigung oder Kindsentführungen.»

Perspektive vermitteln

Das Leben der Kinder verändert sich mit der Flucht radikal. In Flüchtlingslagern befinden sich die flüchtenden Familien schlagartig in einem anderen Umfeld. Der Aufenthalt in Flüchtlingscamps dauert nicht selten mehrere Jahre. Der tägliche Schulbesuch gibt den Kindern und Eltern etwas Gewohntes zurück. In einem turbulenten Umfeld wie einem Flüchtlingscamp kann die Schule dem Alltag der betroffenen Familien zumindest teilweise eine Struktur geben. Den Schülerinnen und Schülern wird eine Zukunftsperspektive vermittelt. Im Schulunterricht werden zudem auch Themen behandelt, damit die Kinder ihre Rechte kennen und wissen, wie sie weniger Gefahren ausgesetzt sind. Infolgedessen ist die Gefahr kleiner, dass sie nicht zum Arbeiten nach China geschickt, nicht entführt und zu Kindersoldaten ausgebildet werden. Wir unterstützen auch die Familien in den Flüchtlingslagern, die in ihr Heimatdorf zurückkehren möchten.

Luzerner Flüchtlingscamp besuchen

Das speziell für die Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» eingerichtete Flüchtlingscamp auf dem Inseli (neben Europaplatz) in Luzern wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern realisiert und kann bis am 23. Dezember täglich zwischen 10 bis 18 Uhr besucht werden. Verschiedene Hilfswerke informieren die Besucher über Medizinische Versorgung, Unterkunft, Wasserversorgung, Registrierung, Ernährung und liefern somit ein umfassendes Bild über das Leben einer flüchtenden Familie. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi beleuchtet zusammen mit einem weiteren Hilfswerk die Themen Schutz und Bildung von Kindern und informiert Besucherinnen und Besucher über das Nothilfeprojekt in Myanmar/Burma und in weiteren drei Regionen weltweit.