Interkulturelle Lehrmethoden für das Bildungssystem

Eine Erfolgsgeschichte aus Mazedonien 12.12.16 | Manuela Flattich

Vladimir Gjorgjevski lebt in Mazedonien, arbeitet bei einer Partnerorganisation der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi und besuchte im Jahr 2015 den Weiterbildungslehrgang emPower im Kinderdorf. Wie hat Vladimir das Gelernte in seinem Heimatland angewendet und was konnte er seit seiner Rückkehr erzielen? Die Stiftung hat nachgefragt und über seine Erfolgsgeschichte gestaunt.

Vladimir Gjorgjevski arbeitete während acht Tagen mit 34 Jugendarbeitern und Lehrkräften an interkulturellen Lehrmethoden. © Stiftung Kinderdorf Pestalozzi

Noch immer kämpft das südosteuropäischen Land Mazedonien mit einer schwachen Volkswirtschaft. Die Entwicklung im Binnenstaat mit den rund zwei Millionen Einwohnern schreitet langsam voran. Nur ein geringer Anteil des Bruttoinlandsprodukts kommt dem Bildungssystem zu Gute. Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Ethnien besuchen eine Klasse, Vorurteile werden aber nicht diskutiert und ausgeräumt, Diskriminierung ist somit verbreitet. Seit dem bewaffneten Aufstand im Jahr 2001, bei dem albanische Minderheiten mehr Rechte forderten, schreibt das Gesetz zwar vor, dass ethnische Minderheiten mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent das Recht auf Schulunterricht in ihrer Sprache haben. Dieser Unterricht findet aber oft auf anderen Stockwerken oder sogar in anderen Schulgebäuden statt. Dadurch fehlt noch immer die Basis für das Erkennen der Gesellschaftsprobleme und für ein friedliches Zusammenleben.

Mit Interkulturalität vertraut werden

Das Bildungssystem, das laut Vladimir Gjorgjevski in einer grossen Krise ist, beschäftigt ihn seit Langem. Deshalb arbeitet der 25-Jährige als Koordinator für ein lokales Kinderhilfswerk, welches sich für die Akzeptanz von ethnischen Minderheiten durch gemischte Schulklassen einsetzt. Im Jahr 2015 kam Vladimir für acht Monate in das Kinderdorf und besuchte im Rahmen des emPower-Lehrgangs Kurse zu den Themen Bildung, interkulturelle Kommunikation und Entwicklungszusammenarbeit.

Alternative Lehransätze für Jugendarbeiter

Während der Weiterbildung im Kinderdorf befasste sich Vladimir intensiv mit Lehrmethoden im interkulturellen Umfeld. Dabei plante und entwickelte der Mazedonier den Workshop «Teaching Methods in Intercultural Areas», den er kürzlich am «ErasmusPlus KA1 Training» in Prag durchführte. «ErasmusPlus KA1» ist eine von der Europäischen Union geförderte Plattform. Diese Plattform bildet unter anderem Lehrkräfte und Jugendarbeiter weiter, die im interkulturellen Umfeld tätig sind. Während acht Tagen leitete der ehemalige emPower-Student verschiedene Workshops zu den Themen alternative Lehrmethoden und Interkulturalität. Daraus erarbeitete Vladimir mit den 34 Teilnehmenden aus sechs europäischen Staaten Lehransätze, die verschiedene kulturelle Hintergründe berücksichtigen und behandeln.

«Das Bildungssystem braucht Lehrmethoden, die interkulturelle Aspekte miteinbeziehen. Nur so kann die Kommunikation und Kooperation verbessert, und folglich ein friedliches Zusammenleben hergestellt werden.»

Vladimir Gjorgjevski – Leiter des Workshops für Interkulturelle Lehrmethoden, Mazedonien

Gelerntes europaweit einsetzen

Mit der Übung «Babel Tower» beispielsweise sprachen alle Jugendarbeiter und Lehrkräfte in ihrer Landesprachen wie etwa Ungarisch und Schwedisch, um gemeinsam Aufgaben zu erledigen. Dadurch realisierten sie, dass man trotz unterschiedlicher Sprachen kommunizieren und sich verständigen kann. In einer weiteren Übung befassten sich die Teilnehmenden mit formellen und informellen Lehrmethoden, tauschten ihre Erfahrungen aus, und sammelten daraus Ideen für alternative Lehrmethoden, die Interkulturalität berücksichtigen. Der Workshop sensibilisierte sie auf das Lehren im interkulturellen Umfeld und liess sie neue Projekte entwickeln. In ihren Heimatländern werden diese in den Unterricht miteingebaut. Das Ziel ist, an Schulen Vorurteile gegenüber anderen Ethnien abzubauen und Kindern und Jugendlichen die Chancen eines interkulturellen Umfelds aufzuzeigen.

Vielseitig engagiert

Neben dem erfolgreichen Workshop engagiert sich Vladimir auch in anderen Projekten. Zum Beispiel reichte er zusammen mit acht Experten der mazedonischen Regierung Ende November 2016 ein Dokument ein, welches Wege für ein verbessertes Bildungssystem in Mazedonien aufzeigt. Denn um Missstände langfristig und landesweit zu beheben, braucht es allem voran die Zusammenarbeit mit der Regierung. Zudem wird er demnächst an der South East European University of Macedonia ein weiteres Projekt im Bildungsbereich durchführen.

Noch ein langer Weg

Seine Arbeit wird ihm noch lange nicht ausgehen, denn es gibt nach wie vor Vieles zu verbessern. Auch in Zukunft möchte sich der engagierte Mazedonier deshalb für ein Land ohne Diskriminierung und mit einem Verständnis für ethnische Vielfalt einsetzen.

Wir danken Vladimir Gjorgjevski für sein Engagement und wünschen ihm weiterhin alles Gute und viel Erfolg!