Ehrung für kulturelle Akzeptanz im Klassenzimmer

22.02.17 | Manuela Flattich

Die Thailänderin Hassayarat Panchaichok lehrt Drittklässler, kulturelle Unterschiede ihres Landes zu verstehen. Dadurch reduziert sie nachhaltig Konflikte, die zuvor schon blutige Kriege auslösten. Kürzlich durfte die Lehrerin dafür eine bedeutende Auszeichnung für innovative Projekte an Schulen entgegennehmen. Das Wissen dazu erhielt sie im zwölftägigen Intensivkurs, den sie im Kinderdorf Pestalozzi besucht hatte.

Eine Vertreterin des thailändischen Bildungsministeriums übergibt der Lehrerin Hassayarat Panchaichok die Auszeichnung für innovative Projekte an Schulen. © Stiftung Kinderdorf Pestalozzi

Seit fünf Jahren ist Hassayarat Panchaichok an der Ban Jabo Schule im Nordwesten Thailands tätig. Dort unterrichtet sie Kinder im Alter von neun und zehn Jahren in den Fächern Thai, Mathematik sowie Religion und Kultur. Die Schule ist Teil eines Bildungsprojektes, welches von der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi unterstützt wird. Das Projekt ermöglicht Kindern ethnischer Minderheiten Zugang zu qualitativer Bildung und fördert die Persönlichkeitsentwicklung sowie den Erhalt von indigenem Wissen.

Im Kinderdorf weitergebildet

Im Februar 2016 reiste die 34-Jährige ins appenzellische Trogen und besuchte im Kinderdorf das zwölftägige «Senior Professional Training». Dieser Weiterbildungskurs wird im Kinderdorf regelmässig für Führungspersonen der Partnerorganisationen durchgeführt. Zusammen mit 15 weiteren Fachkräften aus fünf Projektländern befasste sich Hassayarat mit den Chancen und Herausforderungen von Bildungsprojekten in multikulturellen und multireligiösen Ländern. «Wir wurden geschult, mit welchen Methoden diese Hürden spielerisch angepackt und unsere Projekte wirkungsvoll umgesetzt werden können.»

Methoden lokal umsetzen

Zurück in ihrer Heimat entwickelte die eifrige Lehrerin einen Lehrplan für ihre Schule. «Ich habe die Methoden, die ich im Kinderdorf gelernt habe, im Lehrplan eingefügt und auf unsere lokalen Bedürfnisse zugeschnitten.» Das daraus erarbeitete Konzept führt detailliert auf, wie Lehrkräfte die kulturellen Hintergründe der Schülerinnen und Schüler erfolgreich in den Unterricht integrieren können und Konflikte unter den Kindern reduziert werden.

Mit Bildung zu Frieden

Damit geht Hassayarat ein Problem an, das in Thailand seit Langem existiert. Thailand ist ein Land verschiedenster Ethnien und Religionen, weshalb die Bevölkerung aufgrund anderer Meinungen oder Einstellungen oft aneinandergeraten. Diese Ablehnung beginnt dabei bereits in der Schule. «Mit meinen Methoden verstehen die Kinder die kulturellen Unterschiede, lernen den gegenseitigen Respekt voreinander und reduzieren damit Konflikte in unserem Land», erklärt die engagierte Lehrerin. Beispielsweise zeigt sie Schülerinnen und Schülern ein Bild eines Kindes und beauftragt sie, sein Porträt mit der Kultur einer Bevölkerungsgruppe zu verbinden. Die Kinder lernen so über dessen Lebensweise und realisieren, dass das Kind trotz anderer Kultur gleich ist. Danach fragt sie die Kinder, wie ihre Wahrnehmung gegenüber der fremden Kultur vor der Lektion war und wie sie dieses Wissen in Zukunft anwenden wollen. «Junge Menschen nehmen die Inhalte damit nicht nur besser auf, sondern lernen fürs Leben.»

Preis für wirkungsvolles Engagement

Die Wirkung des neuen Lehrplans wurde auch von der Regierung anerkannt. Vom Lehrergremium des thailändischen Bildungsministeriums erhielt Hassayarat sogar die Bronzeauszeichnung in der Kategorie «One School – One Innovation». Die jährliche Verleihung hat das Ziel, die Bildungs- und Unterrichtsqualität Thailands nachhaltig zu verbessern. «Dieser Preis macht mich sehr stolz und bestätigt den Sinn unserer Arbeit», sagt sie lächeln. Die Auszeichnung, aber insbesondere die Veränderungen im Klassenzimmer motiviert die Thailänderin, Kinder auch in Zukunft auf kulturelle und religiöse Unterschiede zu sensibilisieren. «So wachsen junge Menschen zu toleranten und friedlichen Bürgerinnen und Bürger Thailands heran.»

Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi gratuliert Hassayarat Panchaichok zu dieser ehrenvollen Auszeichnung und wünscht ihr weiterhin viel Erfolg und alles Gute!